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Wanderungen eines Ortes

Wanderungen eines Ortes : Das Gelaende der alten Messe ("Staro Sajmiste"), Belgrad.

・ISBN 978-3-11-106930-2 Geb. EUR 79.95

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著者・編者Saiger, Magdalena,
シリーズSüdosteuropäische Arbeiten
出版社(de Gruyter Oldenbourg, GW)
出版年月2023.09
ページ数XVI, 619 S.
言語GER
ニュース番号<715-1781>

解説

Orte und Raeume gelten allgemein als das statisch-immobile Gegenueber zur dynamischen Zeit. Magdalena Saiger praesentiert dagegen die Kernthese von ihrer grundsaetzlichen Beweglichkeit. Sie wird anhand der wechselnden Verortungen der Alten Messe im Zentrum der serbischen Hauptstadt Belgrad verdeutlicht. Als historische Fallstudie greift das Buch auf Ansaetze der Raumsoziologie und einer raumkritisch ausgerichteten Geografie zurueck. Magdalena Saiger fuehrt ueberdies Denkanstoesse der Visual Culture Studies, der Anthropologie und der Memory Studies weiter. Das Ergebnis ist ein neuartiger Beitrag zu einer verraeumlichten Geschichtsschreibung: Das Aufzeigen der Gleichzeitigkeit der im Raum praesenten Spuren macht die ?Augenarbeit" (Karl Schloegel) als Erkenntnisquelle in der Tradition Walter Benjamins produktiv und wertvoll. Auf breite Quellen gestuetzt offenbart das Buch, in welche machtpolitischen, symbolischen, lebensweltlichen und baulichen Koordinaten die Belgrader Alte Messe zu verschiedenen Zeiten eingebunden ist. Im Kaleidoskop der vielfaeltigen und scheinbar unvereinbaren Nutzungsphasen und -arten formt sich das Bild der ?Wanderungen" dieses bis heute umstrittenen Ortes. Vor dem Zweiten Weltkrieg sollte er als Messegelaende und Modernisierungsmotor die Naehe Jugoslawiens und seiner Hauptstadt zum industrialisierten Kerneuropa demonstrieren, bald darauf aber als deutsches Konzentrationslager mit den Knotenpunkten des nationalsozialistischen Lagernetzes verknuepft werden. Nach Kriegsende faechert sich das Nutzungsspektrum weit auf. Von einer Kuenstlerkolonie und teils prekaerem Wohnraum reicht es bis zu diversem Kleingewerbe. Verfall, Ueberwucherung und Vergessen lassen das Gelaende vor aller Augen fast unsichtbar werden. Und doch ist die Debatte ueber ein Gedenken an die hier begangenen Verbrechen nie ganz abgerissen. Fuer die aktuelle Verortung ist von draengender Relevanz, welche Rolle die Europaeische Union als ?Gedenkreferenz" gegenueber den Beitrittsaspiranten auf dem Balkan spielte und spielen kann. Magdalena Saiger studierte Germanistik und Geschichte in Berlin und Madrid und promovierte mit der vorliegenden Arbeit im Mai 2021 an der Universitaet Hamburg. Die Autorin ist auch als Paedagogin und Schriftstellerin taetig. 2023 erschien ihr Roman ?Was ihr nicht seht oder Die absolute Nutzlosigkeit des Mondes" in der Edition Nautilus - ebenfalls ein Text ueber einen ins Vergessen geratenen Nicht-Ort, hier mit literarischen Mitteln.