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Deutsche mit Anstand

Deutsche mit Anstand : Der "Bund Neues Vaterland" wird "Deutsche Liga fuer Menschenrechte".

・ISBN 978-3-96488-185-4 Brosch. EUR 14.80

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著者・編者Schütrumpf, Jörn,
出版社(VSA, GW)
出版年月2023.06
ページ数160 S.
言語GER
ニュース番号<706-1559>

解説

Am 10. Dezember 1948 verabschiedete die Generalversammlung der Vereinten Nationen im Pariser Palais de Chaillot die ≫Allgemeine Erklaerung der Menschenrechte≪. Der Stimme enthielten sich, wenig ueberraschend, die damals noch vollstaendig totalitaere UdSSR unter Jossif Stalin, sowie Polen, die Tschechoslowakei, Jugoslawien, Saudi-Arabien und das rassistische Suedafrika. Anlass waren die waehrend des Zweiten Weltkrieges veruebten deutschen und japanischen Verbrechen gegen die Menschlichkeit. In der deutschen Geschichte ist der Kampf um die Menschenrechte, der unmittelbar nach Beginn des Ersten Weltkrieges, im November 1914 mit dem ≫Bund Neues Vaterland≪ begann, ein weitgehend vergessenes Kapitel. In diesem Bund hatten sich Vorkriegs-Pazifisten wie Kurt von Tepper-Laski und Otto Lehmann-Russbueldt aus dem Umfeld der Friedensnobelpreistraegerin Bertha von Suttner ? sie war kurz vor Kriegsbeginn verstorben ? mit Albert Einstein (damals schon Anwaerter auf den Nobelpreis fuer Physik) sowie mit juengeren Sozialdemokraten wie Ernst Reuter und Ernst Meyer zusammengefunden (der eine war 1921 zeitweilig Generalsekretaer und spaeter Regierender Buergermeister von West-Berlin, der andere wurde 1921/22 Vorsitzender der KPD). Zu ihnen stiessen aber auch friedensliebende Banker sowie der einstige Anarchist Eduard Fuchs, der mit der Sexualgeschichte Europas wohlhabend gewordene ≫Sittenfuchs≪. Lilli Jannasch, Tochter einer Franzoesin und eines deutschen Bankdirektors ? sie teilte sich mit Reuter die Rolle im Generalsekretariat ? ist der wenigen Frauen, deren Namen bisher ueberliefert ist. Heute wird ? wenn ueberhaupt ? allenfalls die damalige SPD-Linke ? die sogenannte Spartakusgruppe um Rosa Luxemburg, Franz Mehring und Karl Liebknecht ? als Anti-Kriegs-Kraft erinnert. Der Bund ≫Neues Vaterland≪, der zeitweise die Spartakusgruppe finanzierte, war in den Augen des kaiserlichen Terrorregimes jedoch keineswegs weniger gefaehrlich und wurde deshalb ? trotz oder auch wegen seiner Verankerung im Bildungsbuergertum ? 1916 verboten. Im September 1918 trat er wieder aus dem Untergrund hervor und entwickelte breite Aktivitaeten. 1922 verstaendigte er sich ? ueber die noch nicht zugeschuetteten Schuetzengraeben des Ersten Weltkrieges hinweg ? mit der franzoesischen Liga fuer Menschenrechte, nahm ihren Namen an und gruendete mit belgischen und oesterreichischen Menschenrechtlern zusammen die ≫Internationale Liga fuer Menschenrechte≪. Gemeinsam holten sie in Osteuropa Gefangene aus den Folterzellen, aus der UdSSR politische Gefangene, liefen aber auch 1929 gegen die deutsche Sozialdemokratie Sturm, die die Reichstagswahlen mit der Ablehnung eines Panzerkreuzers gewonnen hatte, in der Regierung aber genau diesen Panzerkreuzer bauen liess. Danach wurde ein Unvereinbarkeitsbeschluss erlassen: SPD-Genossen, die sich zur Liga fuer Menschenrechte bekannten, wurden automatisch aus der Partei ausgeschlossen. Zu den prominenteren Mitgliedern gehoerten, neben den bereits Erwaehnten der Publizist Carl von Ossietzky, der Schriftsteller Kurt Tucholsky, die drei Anwaelte von Rosa Luxemburg Kurt Rosenfeld, Paul Levi und Siegfried Weinberg, der Mathematiker und Aufdecker der systematischen Fememorde, Emil Julius Gumbel und viele andere. Die meisten von ihnen gingen nach der Machtergreifung durch die Nazis in die Emigration und halfen sich bis in die 1960er-Jahre im Ausland gegenseitig. Nur Carl von Ossietzky, der 1936 Friedensnobel erhielt, blieb in Deutschland, wo er an den ≫Haftfolgen≪ verstarb. Der Autor stellt die Geschichte der beiden deutschen Organisationen und ihre Einbindung in die ≫Internationale Liga fuer Menschenrechte≪ dar, bereitet diverse Dokumente ihres Wirkens auf und liefert Kurzbiographien der wichtigsten Akteure.